Schöpferkraft

Schöpferkraft

Nichts and’res der Wind ist
als Gefälle von Luft, Höhen und Tiefen.
Aber die Segel bläht er über den Wassern.
Greifen dagegen kannst du ihn nicht.

 Nur dünner die Luft wird,
wenn sie erwärmt – und leichter sohin.
Wohl trägt sie gen Himmel den schweren Ballon,
doch weniger noch kannst du sie fassen, denn Wind.

 Ebbe und Flut, seit unendlichen Zeiten:
Nur ein Wechsel der Pole sie macht;
Zum Geheimnis sie werden im Leben der Meere.
Und die Gezeiten kann keiner ermessen.

Am finst’rern Gewitterhimmel, voll Drohung,
bricht ein Strahl nur der Sonne sein Licht.
Und tausendfach schillert der Regenbogen.
Hingehen – zu ihm – aber kannst du nicht.

 Der Traum dunkler Nächte,
in verwirrten Figuren erlebt und durchlitten,
lässt erschauern dein Herz und erzittern.
Am Morgen freilich ist er nicht mehr.

 Verfiel in uralter Erde ein Korn,
nicht mehr als Verrottung von nichts.
Doch sterbend gebar neues Leben es;
Gab je seinen Auftrag es preis, den geheimen?

Sie ist es, die Schöpferkraft Gottes,
die treibt und die trägt, sie,
die nimmer versiegt, aber niemals zu greifen.
Glaube – oder wage zu leugnen sie!
Doch erklär’ mir das Wunder mit Worten nicht!
 

© Roland Friese
1989 / 2006  / 2009

 

Letzte Aktualisierung 20.02.2010

Besucher